
Surfen in Deutschland
Eigentlich führt der Blick sofort in den Norden, wo Wind und Küste aufeinandertreffen.
Küste und Surfen gehören zusammen
Der Norden liefert, was viele beim Thema Surfen erwarten.
Und doch surft Deutschland im Süden
Ausgerechnet München ist heute das Herz der deutschen Surfszene.
Kaum zu glauben: Wie kam es eigentlich dazu, dass mitten in einer Stadt ohne Meer das Surfen zu so einer Erfolgsgeschichte wurde? Warum ausgerechnet München – und wer hatte die verrückte Idee, hier eine Welle zu reiten?
Im nächsten Kapitel werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und tauchen in die Anfänge dieser ungewöhnlichen Surfkultur ein.
das Jahr, in dem alles begann.
Damals überließ der Graf von Rumford dem bayerischen Kurfürsten Karl Theodor ein großes Gelände am östlichen Stadtrand. Dies markierte den Beginn des Englischen Gartens.
Der Grundstein für die Enstehung des Eisbachs war geschaffen.
Während der mehrjährigen Bauphase entstanden berühmte Bauwerke wie der Monopteros, der Chinesische Turm und der Eisbach als Isarkanal.
Wann genau zum ersten Mal Wasser in den Eisbach geleitet wurde und wann die gefürchteten Steinblöcke hinter der Welle eingebaut wurden, ist nicht dokumentiert.
Der Monopterus inmitten des Englischen Gartens
Der Chinesische Turm ist 25 Meter hoch
Einer von vielen Surfern auf der Eisbachwelle
Obwohl das Surfen am Eisbach offiziell verboten war, wurde es lange Zeit geduldet. In den schwierigsten Zeiten jagten Polizisten flüchtende Surfer mit gezogenen Waffen durch den Englischen Garten, und Surfboards wurden beschlagnahmt.
Doch die Münchner Surfer, angeführt von Petra Offermanns und der Interessensgemeinschaft Surfen München (IGSM), setzten sich erfolgreich dagegen zur Wehr.
für "geübte Surfer" auf eigene Gefahr
Dank Internet und Social Media wurde die Eisbachwelle international bekannt.
Videos und Bilder verbreiteten sich in der weltweiten Surf-Community und die Welle wurde zum Symbol des Riversurfens.
Tao Schirrmacher nimmt seine Fans auch auf Social Media mit.
Der Eisbach ist heute ein weltweit bekannter Surfspot, der rund um die Uhr genutzt wird. Sogar im tiefsten Winter trotzen Surfer der Kälte mit speziellen Neoprenanzügen.
Die Qualität der Welle schwankt je nach Wasserstand.
Die Münchner Surfspots
Wer in München surfen will, hat mehr Möglichkeiten als viele denken. Die folgende Karte zeigt die wichtigsten Surfspots der Stadt – von legendären Wellen bis zu versteckten Einstiegsorten.
Legende
Punkte in blau: natürliche Surfspots
Punkte in rot: menschengemachte Surfspots
Surfen in München ist mehr als nur Strömung und Spots. Es lebt von den Menschen, die jeden Tag an und auf den Wellen stehen. Wer sie sind und was diese Szene besonders macht, zeigt der nächste Abschnitt.
Technik trifft Leidenschaft
Münchens Surfspots bieten ganz unterschiedliche Bedingungen, doch eines haben sie gemeinsam: Ihre Wellen entstehen nicht auf natürliche Weise. Während im Meer Wind und Gezeiten die Wellen formen, spielen hier Strömung, Untergrund und technische Eingriffe eine entscheidende Rolle. Doch wie genau funktioniert das?
Claus Weigand, leidenschaftlicher Wassersportler seit Jahrzehnten, gibt Einblicke in die Technik hinter der Welle. Seit 1972 ist er auf dem Wasser unterwegs – ob beim Windsurfen, Kitesurfen oder seit zweieinhalb Jahren auch beim Riversurfen. Die Floßlände, eine von drei natürlichen Surfwellen in München, hat es ihm besonders angetan. Sie gilt als idealer Spot für Anfänger, da sie zwar klein, aber konstant und homogen ist – und vor allem ungefährlich.
Seit 1971 gesurft – und stetig verbessert
Claus erklärt wie das Surfen an der Floßlände verbessert wurde.
Die Floßlände liegt am Ende des Ländkanals, wo seit jeher die Isarflöße anlanden. Der Höhenunterschied von etwa einem Meter am Kanalausgang sorgt dafür, dass das Wasser beschleunigt nach unten strömt und sich im darunterliegenden Becken staut. Dadurch entsteht eine stehende Welle, die bereits seit Bestehen des Kanals existiert. 1971 wurde sie zum ersten Mal gesurft und gilt als die weltweit erste gesurfte Flusswelle.
Da die Welle früher nicht immer stabil war, wurde sie 2015 durch eine bauliche Maßnahme des Münchner Surfvereins IGSM verbessert. Kunststofflamellen auf dem Kanalboden sorgen seither dafür, dass die Welle an einer festen Stelle bleibt. Diese Technik wurde im letzten Jahr weiter optimiert. Ein aufblasbarer Kunststoffschlauch ermöglicht es, den Anstellwinkel der Lamellen zu verändern und die Wellenform an den Wasserstand anzupassen.
Surfer mit Herz und Seele
Marius Gerlach ist ein echter Münchner – und doch gehört sein Herz dem Ozean. Während andere in den Bergen Ski fahren oder an den Isarstränden entspannen, sucht er ständig nach der perfekten Welle.
Doch wo surft man eigentlich in einer Stadt, die hunderte Kilometer vom Meer entfernt liegt? Für Marius ist die Antwort klar: am berühmten Eisbach.
Seit Jahren ist er ein fester Bestandteil der Münchner Surfszene. Ob bei Sonnenaufgang oder tief in der Nacht – wenn die Bedingungen stimmen, ist Marius auf dem Brett.
Kein Wunder also, dass er in der Surf League bereits einige Erfolge feiern konnte. Ehrgeizig, aber immer entspannt, hat er sich einen Namen gemacht und mischt regelmäßig ganz oben mit.
Der Sport bedeutet mir unglaublich viel, ich kann dadurch einfach die ganze Welt sehen.
Marius Gerlach
Gamechanger der Münchner Surfszene
Ein Schritt in die Zukunft des Surfens
Münchens Surfszene steht nie still. Längst ist der Eisbach nicht mehr die einzige Attraktion für Wellenhungrige.
Mit O2 Surftown kommt ein neuer Player ins Spiel, der das Zeug zum echten Gamechanger hat.
Wir haben mit dem Gründer Chris Boehm-Tettelbach gesprochen und erfahren, wie diese Vision das urbane Surfen in ganz neue Bahnen lenken könnte. O2 Surftown verfolgt das Ziel, Surfen unabhängig von Jahreszeit und Wetter für alle zugänglich zu machen. Mit einer künstlich erzeugten Welle entsteht ein neuer Treffpunkt für Münchens stetig wachsende Surf-Community.
Hier stellt sich CEO Chris Boehm-Tettelbach vor.
Quick facts über O2 Surftown
Standort | Hallbergmoos |
Baujahr | August 2024 |
Zielgruppe | Amateure bis Profis |
Fun Fact | Europas größte Surfanlage |
Gesamtfläche
Gesamtfläche des Beckens
Baukosten
Maximale Wellenhöhe (mindestens)
Chris ist Eventmanager und Gründer von O2 Surftown. Schon in jungen Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für den Wassersport. Ob beim Windsurfen, Segeln oder Surfen – er hat das Wasser im Blut. In einem Interview hat uns Chris einen umfassenden Einblick in sein Projekt gegeben. Er beantwortet Fragen zur Idee hinter O2 Surftown, zur Entstehung des Unternehmens und wirft einen Blick auf die Zukunft des urbanen Surfens in München.
1. Was bedeutet Surfen für dich, sportlich aber auch persönlich?
2. Welche Faktoren waren für dich entscheidend bei der Gründung von O2 Surftown?
3. Wie kam es schließlich zur Umsetzung und zum Bau von O2 Surftown?
4. Weshalb war München für das Projekt der richtige Ort?
5. Gab es besondere Rückmeldungen oder Feedback aus der Community?
Dass O2 Surftown in der Community gut ankommt, zeigt sich nicht nur im Gespräch mit dem Gründer, auch auf Social Media wird das Projekt gefeiert.
Vom Shaper zum Start-up Gründer
Die beiden Gründer von Riot Surfboards: Benedikt Becht (li.) und Marcel Lazar (re.).
Während O2 Surftown mit modernster Technik und Millioneninvestitionen das urbane Surfen neu definiert, verfolgt ein anderes Münchner Unternehmen einen ganz anderen Ansatz. Riot Surfboards setzt nicht auf große Anlagen, sondern auf individuelles Handwerk und maßgeschneiderte Boards – entwickelt von Surfern für Surfer. Ein Blick in die Werkstatt, in der Qualität über Masse steht.
Zwei Freunde, eine Werkstatt und die gemeinsame Idee, Surfbretter anders zu bauen. Doch wie entstand Riot Surfboards? Co-Gründer Benedikt Becht gibt Einblick in den Weg dorthin und erzählt, wie aus einer Vision ein Münchner Start-up wurde.
Benedikt Becht stellt sich vor.
Wie alles begann
Bevor die Idee zu Riot Surfboards entstand, führte das Surfen an der Floßlände die beiden Gründer zusammen. Benedikt Becht und Marcel Lazar lernten sich dort kennen und tauschten sich schnell über ihre Erfahrungen auf dem Wasser aus. Was als gemeinsame Leidenschaft begann, führte zu Gesprächen über Material, Board-Designs und die Frage, wie sich das Surferlebnis verbessern ließe. Doch ihre eigenen Bretter waren weit entfernt von optimal – eine Tatsache, die schließlich zu einer Entscheidung führte, die alles ins Rollen brachte.
Feinarbeit im Schutzanzug, in der Werkstatt von Riot Surfboards entsteht jedes Board in Handarbeit.
Noch im Entstehen, aber schon mit Präzision bearbeitet.
In der Werkstatt lagern die fertigen und halbfertigen Boards – jedes ein Unikat.
Zwei Boards, zwei Designs, jedes Stück ist ein Ausdruck von Persönlichkeit und Stil.
Im Schaufenster ausgestellt, mehr als nur Sportgeräte, sondern echte Hingucker.
Ein Standort mit sportlichem Spirit
Münchens Surfszene ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Obwohl die Stadt weit entfernt vom Meer liegt, hat sich hier eine feste und lebendige Surfkultur etabliert. Ein Grund dafür ist der sportliche Lebensstil, der München prägt – Outdoor-Sport hat hier einen hohen Stellenwert. Zudem bot die bereits bestehende Skate- und Snowboardszene ideale Voraussetzungen, um das Surfen auf stehenden Wellen zu einem festen Bestandteil der Stadt zu machen.
Doch was macht München nicht nur zu einem besonderen Surf-Standort, sondern auch zu einem vielversprechenden Ort für ein Surfboard-Start-up? Benedikt Becht hat sich bewusst für die Stadt als Gründungsort entschieden.
Handgemachte Performance
Riot Surfboards setzt auf Handarbeit, hochwertige Materialien und maßgeschneiderte Designs, die sich von der üblichen Massenproduktion abheben. In der Münchner Werkstatt entstehen Boards, die für maximale Performance und Langlebigkeit ausgelegt sind – individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse und den Stil der Surfer. Diese Verbindung aus Handwerkskunst und Innovation macht die Boards zu einem festen Bestandteil der lokalen Surfszene.
Die Boards überzeugen durch ihre herausragenden Fahreigenschaften, die auf perfekt abgestimmten Shapes basieren und biomechanisch durchdacht sind. Besonders bei maßgefertigten Modellen wird eine ideale Anpassung an die Bedürfnisse der Surfer erreicht. Die Bauweise gewährleistet ein ausgewogenes "Flexpattern", das die richtige Balance zwischen Stabilität und Dynamik schafft. Die Boards sind dadurch signifikant langlebiger – bis zu 2,5-mal – und dennoch bis zu 25 Prozent leichter, was sowohl die Performance, als auch die Nachhaltigkeit verbessert.
Impulse für morgen
Riot Surfboards hat sich in der Münchner Surfszene etabliert, doch wie geht es weiter? Benedikt gewährt einen Ausblick auf die nächsten Schritte und die langfristigen Ziele des Unternehmens.
Eine Entdeckungsreise durch Münchens lebendige Surfkultur
Produziert von Stefanie Wittwer und Tim Möller
Redaktionsleitung: Carolin Bergmann M.A.
Technische Leitung: Dipl. Ing. Benjamin Mayer
Verantwortlich: Prof. Dr. Sonja Kretzschmar