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Digitaler Fortschritt beim Zahnarztbesuch

eine Multimediastory von Jenny Giering & Viktoria Schmidt

Der Weg zum perfekten Zahnabdruck – früher und heute

Ob für Zahnspangen, Kronen, Brücken oder unsichtbare Aligner – ein präziser Zahnabdruck ist die Grundlage vieler zahnmedizinischer Behandlungen. Bisher bedeutete das für Patienten meist eine eher unangenehme Prozedur: Eine formbare Abdruckmasse aus Silikon oder Alginat wurde in den Mund eingesetzt, um eine exakte Abformung der Zähne und des Kiefers zu erstellen. Doch die moderne Zahnmedizin entwickelt sich weiter – und mit ihr auch die Methoden zur Abdrucknahme.



Immer mehr Praxen setzen auf digitale Zahnabdrücke, die nicht nur komfortabler für den Patienten sind, sondern auch eine deutlich präzisere Analyse ermöglichen. Mithilfe hochmoderner Intraoralscanner wird die Zahnstruktur berührungslos erfasst und als 3D-Modell auf dem Computer dargestellt. Diese Technologie bietet zahlreiche Vorteile. Welche das sind und wir genau diese digitale Methode funktioniert, erfahrt ihr in unserem Beitrag.



Unangenehm, aber effektiv – Die traditionelle Abdrucktechnik

Sonja ist eine erfahrene zahnmedizinische Fachangestellte. Seit über 30 Jahren arbeitet sie bereits in der Zahnarztpraxis von Dr. Stephanie Antonie in Buttenwiesen bei Augsburg. Sie zeigt im folgenden Video wie ein Zahnabdruck bislang gemacht wurde und erklärt uns die Nachteile, die dieser mit sich bringt.

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Zahnabdrücke in Zahlen – Wie viele Menschen sind betroffen?

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In Deutschland spielt die Zahnmedizin eine wichtige Rolle im Alltag vieler Menschen. Besonders Zahnersatz ist weit verbreitet, sei es durch Kronen, Brücken oder Prothesen, die nicht nur die Funktionalität, sondern auch die Ästhetik verbessern. Auch kieferorthopädische Maßnahmen sind keine Seltenheit – viele Menschen tragen im Laufe ihres Lebens eine Zahnspange, sei es zur Korrektur von Fehlstellungen in der Jugend oder zur ästhetischen Optimierung im Erwachsenenalter. Darüber hinaus setzen viele auf spezielle Schienen, um nächtliches Zähneknirschen zu verhindern oder Kiefergelenksbeschwerden zu lindern. Diese Entwicklungen zeigen, wie oft Zahnabdrücke zum Einsatz kommen.

Wie digital ist die Zukunft? – Thomas Reitinger (Dentsply Sirona) über moderne Abdrucktechniken

Thomas Reitinger ist Zahntechniker und beschäftigt sich seit Jahren mit digitalen Arbeitsprozessen im Labor und in der Praxis. Als Gebietsverkaufsleiter für Digitale Labore, Systeme und Implantatprothetik bei Dentsply Sirona berät er Zahnarztpraxen und Labore beim Einstieg in die digitale Zahnmedizin.

Wie funktioniert ein Intraoralscanner grundsätzlich und welche Technologie steckt hinter dieser digitalen Abformung?

„Der Scanner ermöglicht hochpräzise digitale Scans in kurzer Zeit. Mithilfe eines Smart Pixel Sensors erfasst das Gerät innerhalb von Sekunden detaillierte 3D-Bilder, ohne dass ein fester Abstand eingehalten werden muss. Die kabellose Technologie erlaubt den Einsatz in verschiedenen Behandlungsräumen, während die direkte Cloud-Anbindung eine nahtlose Weiterverarbeitung der Daten ermöglicht. Eine aktive Heizung verhindert Nebelbildung auf der Linse, sodass der Scanner jederzeit einsatzbereit ist.“

Primescan 2 von Dentsply Sirona Credit: Jenny Giering

Welche Rolle spielen Intraoralscanner in der Zukunft der Zahnmedizin? Glauben Sie, dass sie langfristig die klassische Abdrucknahme vollständig ersetzen werden?

„Digitale Scanner gewinnen in der Zahnmedizin immer mehr an Bedeutung. Mit Geräten wie dem Primescan lassen sich in weniger als einer Minute präzise 3D-Modelle erstellen, was sowohl den Ablauf in der Praxis vereinfacht als auch den Patientenkomfort erhöht. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Wechsel zu diesen Technologien schrittweise erfolgt, da viele Praxen bereits in traditionelle Arbeitsprozesse und Infrastruktur investiert haben. Insgesamt weist der Trend jedoch klar in Richtung einer umfassenden Digitalisierung, bei der digitale Scanner langfristig die herkömmlichen Abdruckverfahren ablösen könnten.“

Gibt es noch Herausforderungen oder Grenzen bei der Nutzung von Intraoralscannern, an denen aktuell geforscht oder gearbeitet wird?

„Trotz der beeindruckenden Fortschritte gibt es noch einige Herausforderungen. Zum einen erfordert die direkte Cloud-Anbindung eine stabile Internetverbindung – ein Aspekt, der in manchen Praxen noch verbessert werden muss. Auch die automatische Karieserkennung, die auf Fluoreszenz- und Nah-Infrarotbildern basiert, wird weiter erforscht, um eine noch präzisere Diagnose zu ermöglichen. Zudem ist die Integration in bestehende IT-Infrastrukturen, etwa über das DS Core-System, ein Prozess, der laufend optimiert wird. Diese Punkte zeigen, dass der Weg zur vollständigen Digitalisierung in der Zahnmedizin noch nicht ganz abgeschlossen ist.“

Wie beeinflusst die Digitalisierung durch Intraoralscanner die Zusammenarbeit zwischen Zahnarztpraxis und Dentallabor?

„Die Digitalisierung ermöglicht einen direkteren Austausch von Scandaten. Die erfassten 3D-Modelle werden in die Cloud hochgeladen, sodass Labore zeitnah auf die Informationen zugreifen können. Das verbessert den Informationsfluss und reduziert mögliche Fehlerquellen, weil alle Daten digital vorliegen. Dadurch können Praxen und Labore ihre Arbeitsabläufe besser aufeinander abstimmen.“



Weitere Experten

Der Intraoralscanner im praktischen Einsatz

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Nachdem das Gebiss gescannt wurde, kann der digitale Abdruck innerhalb weniger Sekunden an das zahntechnische Labor übermittelt werden. Im Vergleich dazu erfordert der konventionelle Abdruck eine sorgfältige Verpackung sowie einen zeitaufwendigen Versand per Post. Im nächsten Video wird gezeigt, wie der Zahntechniker durch die digitale Technologie unmittelbar mit seiner Arbeit beginnen kann.

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Die beiden Abdruckmethoden – das konventionelle Verfahren und der digitale Scan – unterscheiden sich deutlich in ihrem zeitlichen Ablauf. Während der herkömmliche Abdruck mehrere Arbeitsschritte erfordert, von der Vorbereitung der Abformmasse bis zum Versand ins Labor, werden die digitalen Daten unmittelbar übertragen. Dies verdeutlicht die Unterschiede in den Prozessen und zeigt, wie sich die Abläufe in der Praxis gestalten.

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Handwerk, Hightech und Präzision

Diese Bilderreihe zeigt den Entstehungsprozess von Zahnersatz in einem zahntechnischen Labor. Dabei erläutert ein Zahntechniker die einzelnen Arbeitsschritte.

Zahntechniker Manuel Kraus erklärt, was mit dem digitalen Abdruck als nächstes passiert. Credit: Jenny Giering

Der Zahnabruck im Designprogramm. Credit: Jenny Giering

Das Programm erkennt die Zähne automatisch und Manu kann anschließend den letzten Schliff selbst geben. Credit: Viktoria Schmidt

Die Daten werden nun an das nächste Gerät geschickt. Credit: Viktoria Schmidt

Aus dieser Platte wird die Schiene gefräßt. Credit: Jenny Giering

Letzte Anweisungen zur Positionierung gibt Manu nun dem Gerät. Credit: Viktoria Schmidt

Jetzt wird die Platte ins Gerät eingelegt. Credit: Jenny Giering

Die Schiene wird nun voll automatisch vom Roboter gefräßt. Dies kann auch über Nacht geschehen und bindet keine Arbeitskraft. Credit: Viktoria Schmidt

Die fertige Schiene muss nun aus der Platte per Hand entfernt werden. Credit: Jenny Giering

Letzte scharfe Kanten schleift Manu noch selbst glatt. Credit: Jenny Giering

Nach einigen schnellen Handgriffen ist die Schiene final fertig. Credit: Jenny Giering

Hier zeigt er uns die Platte nachdem der Roboter die Schienen fräßte und einen Abdruck, welches durch den 3D-Drucker gefertigt wurde. Credit: Jenny Giering

Durch den digitalen Abdruck wird Manus Arbeit erleichtert, er muss sich jedoch keine Sorgen um seinen Job machen, denn der Blick eines Menschen ist unersetzbar. Credit: Jenny Giering

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Erfahrungen aus der Praxis

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Zahnärztin Dr. Stefania Antonie über die Vorteile des Intraoralscanners

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Patient A

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Patientin B

Die Entwicklung von der traditionellen Abformung hin zum Einsatz von Intraoralscannern zeigt den fortschreitenden technologischen Wandel in der Zahnmedizin. Während herkömmliche Abdruckverfahren mehrere Arbeitsschritte erfordern, ermöglicht die digitale Technologie eine direkte Erfassung und Weiterverarbeitung der Daten. In Zahntechnikerlaboren können diese digitalen Abdrucke nahtlos in den Herstellungsprozess von Zahnersatz integriert werden.

Laut einer Untersuchung des Unternehmens 3Shape planen etwa 42 % der Zahnarztpraxen, innerhalb der nächsten drei Jahre einen Intraoralscanner anzuschaffen. Diese Prognose unterstreicht die zunehmende Bedeutung digitaler Technologien in der Zahnmedizin. Diese Zahlen lassen darauf schließen, dass digitale Verfahren eine immer größere Rolle in der zahnmedizinischen Praxis spielen. Dabei stehen neben der Effizienzsteigerung auch Aspekte wie Präzision und Prozessoptimierung im Fokus.

Die zunehmende Digitalisierung in der Zahnmedizin spiegelt einen allgemeinen Trend wider, der in vielen medizinischen Bereichen zu beobachten ist. Während digitale Technologien in einigen Praxen bereits fester Bestandteil des Arbeitsalltags sind, stehen andere noch vor der Herausforderung, neue Prozesse in bestehende Strukturen zu integrieren. Wie sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter gestaltet, hängt nicht zuletzt von technischen Fortschritten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.